Mein Weg mit Amateurfunk und APRS: Warum ich mich für das neue TH-D75E entscheiden werde

Ok, ok, bei mir trifft das „O“ in OM nun tatsächlich zu. Ich bin Rentner, seit mehr als 50 Jahren beim Amateurfunk dabei und habe schon so ein paar Sachen kommen und gehen sehen. Eine der besten Sachen war und ist für mich APRS, das Automated Position Reporting System. Als Referent für Bild- und Schriftübertragung (ja, so hieß das damals wirklich) im DARC e.V. war ich mehr oder minder direkt in den Aufbau des damaligen Packet Radio Netzwerkes involviert.

Man stelle sich diese aufregenden Zeiten vor: Wir hatten schon so eine kleine Ahnung von Computer-Netzwerken, aber noch keine Möglichkeit, das in größerem Rahmen auszuprobieren. Netzwerktechnik war einfach teuer. Da kam das Packet Radio Netz gerade recht. Das erste Mal konnten (mussten!) wir uns mit Datenprotokollen befassen, mussten erfahren, was Hop-to-Hop vs. End-to-End Acknowledge bedeutet, was Richtfunk auf 13 cm für spezielle Probleme mit sich bringt und vieles mehr. Was eben bei funkbasierten Netzwerken, im Vergleich zu drahtbasierten Netzen, anders oder speziell ist. Super spannend!

Zur gleichen Zeit (das war so Mitte der 1980er, Anfang der 1990er-Jahre) wurden GPS-Empfänger erschwinglich. Und so entstand bald die Kombination von Packet Radio und positionsbasierten Daten – das APRS-System. Hier wird die eigene Position per GPS aufgenommen, codiert und per einfachem AFSK in Packet Radio wieder ausgesendet. Eine umfangreiche Infrastruktur im Packet-Radio Netz sorgt dafür, dass diese Daten auf Webseiten wie https://aprs.fi sichtbar werden.

Neben den selbst entwickelten Modems für APRS sprangen bald verschiedene Hersteller auf den APRS-Zug auf, allen voran die Firma Kenwood. Zuerst kam 1999 das Handfunkgerät TH-D7E mit eingebautem TNC und APRS Fähigkeiten auf den Markt. Eine Revolution! 2000 folgte das TM-D700, ein Dualband-Mobilgerät mit eingebautem TNC, das gleichzeitigen APRS- und Phonie-Betrieb auf zwei verschiedenen Bändern ermöglichte. Eine GPS-Antenne wurde extern angeschlossen. Später kamen Geräte wie das TH-D72 und TM-D710 und schließlich 2016 das TH-D74 auf den Markt. Jeweils mit neuerer Technik, leistungsfähigeren Navigationslösungen (neben GPS auch Glonass, Beidou und Galileo), verbesserter Software, Bluetooth-Funktion und vieles mehr.

Und ich habe jedes dieser Geräte besessen! Und ich habe selten eine schönere Spielwiese für Funkamateure gefunden. Ja, wirklich, das macht schon Spaß. Ich erinnere mich an Urlaube, in denen ich bei schönstem Wetter stundenlang im Auto saß, um alle Funktionen genau zu verstehen und auszuprobieren, sehr zum Missfallen der Partnerin. Und auch auf allen Reisen begleitete mich immer ein Kenwood-FM-Transceiver, entweder im Auto oder als Handfunkgerät. Ein herrlicher Spaß, der zudem noch mit äußerster Zuverlässigkeit funktionierte. Ja, sicher, das Packet Radio Netz ist weitgehend verschwunden, geblieben sind aber die APRS iGates.

Versorgungskrise und das Ende einer Ära: Das Schicksal des TH-D74 nach dem Chip-Fabrikbrand

Und dann brannte plötzlich in Japan eine Chip-Fabrik (AKM in Nobeoka, JP, Oktober 2020). Ok, dramatisch, sehr üble Sache, aber betrifft uns das direkt? Ganz erheblich, wie der Amateurfunk-Handel bald feststellen musste. Denn die abgebrannte Chip-Fabrik war einer der wichtigsten Hersteller für LSI-Chips für Audioprodukte. Und im TH-D74 steckt so ein Chip drin. Das eigentliche Problem war aber auch, dass diese Chips auch in Audio-Anlagen vieler Pkws verbaut werden. In einer Panikreaktion haben mehrere Autohersteller alle Restbestände dieser Chips aufgekauft und sehr viel Geld dafür geboten und gegeben. Die durch Covid-19 verursachte Supply Chain Krise kamen weitere Verknappungen dazu. Für die etwas nebenrangige Produktion von JVC-Kenwood blieb leider nichts übrig. So blieb dem Unternehmen keine andere Wahl, als das TH-D74 weit vor seiner geplanten Laufzeit abzukündigen. Sehr bedauerlich. Innerhalb weniger Wochen waren dann auch alle Lager leer, es gab dieses schöne Funkgerät nicht mehr. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes das letzte dieser Geräte von meinem Arbeitgeber WiMo erworben.

Ekki Plicht, DF4OR
TH-D75E: Ein Blick auf den neuen Kenwood-Nachfolger und warum ich ihn kaufen werde

Und dann kam im Frühjahr 2023 die Ankündigung, dass es einen Nachfolger von Kenwood geben wird – das TH-D75! Es wurde voller Stolz in Dayton auf der HamVention vorgestellt, einige Wochen später konnten wir es dann auch in Europa auf der Messe in Friedrichshafen sehen.

Ein Nachfolger für das TH-D74 - Und mit welchen neuen Features? Naja… sooo viel ist es dann nicht. Eine neue Digipeaterfunktion. D-Star Dual Watch, USB-C Ladebuchse. Nett, aber rechtfertigt das den Preis von fast 900 €? Wow, dafür bekomme ich rund 45 Baofeng-Handfunkgeräte. Aber will ich die alle haben? Ich glaube nicht.

Ja, 880 € sind viel Geld, für ein Funkgerät, das relativ wenige Neuerungen bietet, auch äußerlich ist es kaum verändert. Ich kann Kenwood verstehen, wahrscheinlich gab es da noch größere Lagerbestände für das Display, die Tastatur und viele andere Bauteile, die man verwenden und nicht wegwerfen wollte.

Werde ich mir das Handfunkgerät trotzdem kaufen? Auf jeden Fall!

TH-D75E: Perfekte Technik für ein lebenslanges Hobby

Zur Rente darf ich mir so ein Schmuckstück schon mal leisten. Ich bin nun mal ein Spielkind und freue mich an perfekter Technik. Denn das ist das TH-D75E für mich – bestens ausgestattet, perfekt für mich. Kenwoods APRS Produkte haben mich fast mein ganzes Amateurfunk-Leben lang begleitet, das soll auch in der Rente nicht anders sein. Außerdem freue ich mich, dass dieser renommierte Hersteller wieder neue Produkte auf den Markt bringt. Und nach dem, was man so hört, wird das TH-D75 nicht die letzte Neuerung sein, auf die wir uns von Kenwood freuen dürfen.

Viel Spaß, wir hören uns.

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Ekki, DF4OR

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