Die neue N-Lizenz im Amateurfunk: Einfacher Einstieg, spannende Möglichkeiten!

Seit vielen Jahren wird darüber diskutiert, ob Deutschland nicht dem Vorbild anderer Länder folgen und eine neue sogenannte „Einsteigerlizenz“ schaffen sollte. Diese Lizenzklasse soll es erleichtern, auch mit nicht so tiefgehenden technischen Kenntnissen, eine Amateurfunklizenz zu erwerben. Ziel ist es, den Zugang auch weniger technisch orientierten Menschen zu ermöglichen und damit den Amateurfunk insgesamt als Hobby attraktiver zu gestalten.

Im Juni 2023 wurde es offiziell vom Bundesministerium angekündigt: Im Laufe des Sommers 2024 (voraussichtlich Juni 2024) wird die Amateurfunkverordnung in Deutschland geändert und damit eine neue Lizenzklasse namens „N-Lizenz“ eingeführt. Damit verbunden ist ein völlig überarbeiteter Fragenkatalog.

Was hat das nun für Auswirkungen für jemanden, der die Amateurfunklizenz erwerben möchte?

Das heutige Lizenzsystem in Deutschland sieht zwei Lizenzklassen vor, „A“ und „E“. Die A-Lizenz erlaubt den Amateurfunkbetrieb ohne Einschränkungen (im Rahmen des Gesetzes). Die E-Lizenz erlaubt den Betrieb nur auf bestimmten Bändern und mit reduzierter Sendeleistung. Dafür sind die Anforderungen etwas geringer, es reicht eine geringere Punktzahl in der Prüfung.

Diese zwei Stufen werden jetzt um eine dritte Stufe ergänzt. Es war notwendig, bei der Anpassung der Lizenzklassen sowohl internationale als auch nationale Vorgaben zu berücksichtigen.

Die internationalen Regeln erlauben die gegenseitige Anerkennung der Lizenz in anderen Ländern und damit den unkomplizierten Betrieb im Ausland (sog. CEPT Regelung).

Die nationalen Regeln erlauben in Deutschland etwa das Privileg des Selbstbaus. Dieses Recht sollte auch mit einer neuen Lizenzklasse unbedingt erhalten werden. Das hat zur Konsequenz, dass doch bestimmte technische Kenntnisse nachgewiesen werden müssen.

Modulares Prüfungskonzept im Amateurfunk: Flexibilität und Stufen für individuellen Lizenzweg

Die Prüfung wird auch in Zukunft drei Bestandteile haben:

  • Kenntnisse des Funkbetriebs (Betriebstechnik)
  • Kenntnisse der Vorschriften (Gesetzeskunde)
  • Kenntnisse Technik

Die ersten beiden Bestandteile werden voraussichtlich für alle drei Lizenzen identisch sein. Der technische Teil soll so gestaltet werden, dass zunächst mit grundlegenden und einfachen technischen Fragen begonnen wird. Die korrekte Beantwortung dieser Fragen reicht zur Erlangung der Lizenzklasse „N“. Dann folgen Fragen, die ein etwas tieferes Verständnis der Materie erfordern. Wenn bei diesen Fragen genug Punkte erzielt werden, dann reicht es für die Klasse „E“. Schließlich folgen die technisch anspruchsvollsten Fragen, deren korrekte Beantwortung für die höchste Lizenzklasse „A“ erforderlich ist.

So bleibt es jedem Teilnehmer freigestellt, noch während der Prüfung zu entscheiden, wie weit man gehen möchte, bis N, E oder A. Und umgekehrt: falls man auf die A-Lizenz zielt, aber nicht genug Punkte dafür erreicht, kann man immer noch ein Rufzeichen für die E-Lizenz beantragen. Später kann dann durch eine neue Prüfung aufgestockt werden.

Was unterscheidet die drei Amateurfunk-Lizenzklassen in Deutschland?

Kurz gesagt: Die zugelassenen Frequenzbereiche (Bänder) und die zugelassene Sendeleistung

Lizenzklasse
Amateurfunk-Band A E N
2200 m Ja
160 m Ja Ja
80 m Ja Ja
40 m Ja
30 m Ja
20 m Ja
17 m Ja
15 m Ja Ja
12 m Ja
10 m Ja Ja Ja
6 m Ja
2 m Ja Ja Ja
70 cm Ja Ja Ja
23 cm Ja
13 cm Ja
6 cm Ja
3 cm Ja Ja
< 3 cm Ja

Die jeweilige max. zugelassene Sendeleistung unterscheidet sich je nach Lizenzklasse und Band. Eine detaillierte Übersicht bietet die Webseite der Bundesnetzagentur in der Anlage 1 zur "Verordnung zum Gesetz über den Amateurfunk".

Aktualisierte technische Kenntnisse mit Fokus auf Relevanz und Praxisbezug

Grundlage dieser Prüfung der technischen Kenntnisse ist ein völlig überarbeiteter Fragenkatalog. Hier hat ein großes Team, geleitet durch das Ausbildungsreferat des DARC unter Prof. Dr. Matthias Jung, DL9MJ, umfangreiche und sehr hochwertige Arbeit geleistet. Das wird auch von der BNetzA anerkannt und begrüßt, denn so haben die Fragen Relevanz und Praxisbezug. Viele Fehler und Unklarheiten wurden ausgemerzt.

Die neuen Fragen räumen mit alten Techniken auf. So kommen zum Beispiel keine Fragen mehr zur Röhrentechnik vor, dafür aber neue Fragen zu digitalen Übertragungsarten oder auch zu Software Defined Radios. Aber auch diese neuen Fragen sind immer abgestuft zu sehen, angepasst an die jeweilige Lizenzklasse.

Neue Einsteigerlizenz im Amateurfunk: Chancen für Fachhändler und Belebung der Bänder im Fokus

Alles in allem ist die Einführung einer neuen Einsteigerlizenz zu begrüßen. Für uns als Fachhändler bedeutet das natürlich einen größeren Markt, also - wenn wir alles richtig machen - ein wachsendes Geschäft. Für den Amateurfunk bringt diese Lizenz hoffentlich eine Belebung der Bänder und den leichten Einstieg für interessierte Menschen, die sich bisher nicht so an die Sache herangetraut haben. Wichtig ist, dass die bestehenden Prinzipien des Amateurfunks auch mit der neuen Lizenzklasse fortgeführt werden - Internationalität, Selbstbau und Spaß an der Technik.

Und für all diejenigen, die mehr über den Amateurfunk erfahren möchten, gibt es weitere spannende Infos in unserem Amateurfunkguide.

FAQ
Was ist die N-Lizenz?

Die N-Lizenz ist die neu geschaffene Einsteigerlizenz für den Amateurfunk. Sie ermöglicht den Funkbetrieb auf mehreren Bändern mit kleiner Sendeleistung.

Was unterscheidet die Amateurfunk-Lizenz „N“ von den anderen Lizenz-Stufen A und E?

Die Lizenzklassen unterscheiden sich nach den Frequenzen, die man verwenden darf und nach der Sendeleistung. Die N-Lizenz darf die Bänder 10 m, 2 m und 70 cm verwenden und die zulässige Sendeleistung darf 10 Watt betragen.

Warum sollte ich die N-Lizenz machen?

Die neue N-Lizenz bietet einen einfachen Einstieg in den Amateurfunk. So kann man ohne großen Aufwand in das Hobby hinein schnuppern und viele Aspekte selber erleben und ausprobieren. Nach einigen Wochen ist klar, ob man sich für ein neues Hobby entschieden hat und wie man weitermachen kann.

Wie kann ich die N-Lizenz erhalten?

Jede Amateurfunk-Lizenz setzt (in Deutschland) eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur voraus. Je nach Lizenzklasse (A, E, N) gibt es unterschiedliche Fragen zu beantworten. Die Fragen kommen aus den Themenbereichen Recht, Betriebstechnik und Technik. Die Anmeldung zur Prüfung erfolgt über die Bundesnetzagentur, zum Beispiel auf dieser Seite: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/Telekommunikation/Frequenzen/SpezielleAnwendungen/Amateurfunk/start.html

Wo kann ich mehr zur Amateurfunk N-Lizenz erfahren?

Das Ausbildungsreferat des DARC e. V. betreibt die Plattform 50ohm.de. Dort gibt es einen hervorragend strukturierten Lehrgang, den man mit seiner eigenen Geschwindigkeit durchgehen kann. Darüber hinaus findet man beim DARC e. V. (www.darc.de) lokale Gruppen, die einem bei der Ausbildung behilflich sein können. Das Referat Ausbildung verfügt über eine Website, auf der ersichtlich ist, wo Lehrgänge angeboten werden: https://www.darc.de/der-club/referate/ajw/

Gibt es die Fragen zur Prüfung der N-Lizenz irgendwo zu sehen?

Demnächst ja. Der Fragenkatalog wurde in Zusammenarbeit mit dem DARC Referat Ausbildung völlig überarbeitet und modernisiert. Da die ersten Prüfungen zur N-Lizenz erst ab Mitte 2024 angeboten werden, wird der neue Fragenkatalog auch erst dann verfügbar sein. Der DARC weist auf seiner Webseite darauf hin: https://www.darc.de/der-club/referate/ajw/ausbildungsunterlagen/fragenkataloge/

Kostet die N-Lizenz etwas?

Ja. Die Prüfung kostet einen festen Betrag, dessen genaue Höhe im Moment noch nicht bekannt ist. Darüber hinaus entstehen jährliche Verwaltungskosten in Höhe von etwa 30 Euro. Die Beträge werden von der Bundesnetzagentur erhoben.

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