Die Kunst des Aufstiegs: Antennenmasten für den Amateurfunk

Kennen Sie als Newcomer des Amateurfunks auch folgende Zitate, wie „Eine gute Antenne ist der beste Hochfrequenz-Verstärker“ und „Jeder Meter Antennenhöhe zählt“? Wenn ja, dann haben Sie sich vermutlich Gedanken zu Ihrer zukünftigen oder bereits bestehenden Antennenanlage gemacht. Mit der Antennenhöhe, also letztendlich mit der Höhe des Antennenmastes, werden Strahlungshindernisse überragt. Der mit der Höhe flachere Abstrahlwinkel begünstigt DX-Verbindungen. Die Antenne kommt aus dem lokalen Störnebel in Erdnähe heraus, das verbessert den Empfang.

Mastwerks

Antennenmaste für optimale Antennenbedingungen - Eine umfassende Übersicht für Einsteiger und Experten

Was sich verwirklichen lässt, hängt von zahlreichen Faktoren ab: von der Grundstücksgröße, ob Sie Eigentümer einer Immobilie sind, in einer Eigentumswohnung oder zur Miete wohnen – also vom Wohlwollen anderer, wie dem Vermieter, den Nachbarn, der Zustimmung einer Eigentümergemeinschaft und letztendlich von den finanziellen Möglichkeiten. Wenn natürliche Abspannpunkte oder das Dach des Hauses nicht für die Montage einer Draht-, Vertikal- oder einer kleinen Richtantenne zur Verfügung stehen, bleiben nur noch Antennenmaste als Abspannpunkt oder Antennenträger übrig. Da gibt es mehr Möglichkeiten, als man denkt. Ich habe für Sie eine Übersicht zusammengetragen. Schauen wir uns gemeinsam an, was es gibt und was geht.

Standrohre für den Amateurfunk: Einfach, aber effektiv

Ein Standrohr auf dem Dach, dem Balkon oder der Dachterrasse wäre sozusagen der einfachste „Antennenmast“. Die Höhe des Standrohres ist nach VDE 0855 auf maximal sechs Meter begrenzt und sollte aus kaltgewalztem Stahl gefertigt sein. Ein nahtloses Rohr ist nicht unbedingt erforderlich. Gas- oder Wasserleitungsrohre sind völlig ungeeignet und haben auf dem Dach als Standrohr nichts zu suchen. Aluminiumrohre mit ausreichender Wandstärke sind brauchbar, aber deutlich teurer und mitunter schwer zu beschaffen.

Militärisch, Stabil, tragbar, aber mit Grenzen

Steckmasten aus militärischen Beständen sind primär etwas für den portablen Einsatz. Durch das mehr oder weniger große Spiel zwischen den einzelnen zusammengesteckten Rohrelementen sind ohne Abspannung, abhängig von den seitlichen Zugbelastungen, nur geringe Masthöhen zu erreichen. Bei größerer Aufbauhöhe ab zehn Metern aufwärts sind mindestens drei oder vier Abspannungen, evtl. in einer oder mehreren Ebenen, erforderlich. Meistens aus Stahlrohrelementen gefertigt, sind sie sehr stabil. Das Transportgewicht ist für „Urlaub und Portabelfunk“ ein großer Nachteil.

Flexibel und leicht: Die Vielseitigkeit von Schiebemasten

Schiebemasten aus Stahl und Aluminium bestehen aus teleskopartig ausziehbaren Rohrelementen und sind durch ihr geringes Eigengewicht ideal für den portablen Einsatz. Marktüblich sind Alu-Schiebemasten zwischen vier und 16 Meter Länge, mit drei bis elf Sektionen und Rohrdurchmessern von 20 bis 75 mm, sowie 1,5 m bzw. 1,9 m Transportlänge.

Einseitig geschlitzte Rohre und massive Spannschellen gewährleisten die Arretierung der Elemente. Auch diese Masten benötigen über sechs Metern Höhe eine Abspannung. Sind aber durch ihr geringeres Gewicht und kleinen Packmaß (nur ein Rohr) den Masten aus Armeebeständen deutlich überlegen.

Mastwerks-Masten: Leicht, tragbar und ideal für den Portabelfunk

Was sind eigentlich Mastwerks-Masten? Dies sind spezielle tragbare Komplettmasten von wahlweise bis zu zehn Metern Höhe. Sie sind ähnlich einem Fotostativ konstruiert und inklusive Abspannmaterial, mit einem Gewicht von deutlich unter zehn Kilogramm extrem leicht. Aufbau und Bedienung benötigen kein Werkzeug und können von einer Person gehandelt werden. Das macht sie ideal für den Portabelfunk.

Fiberglas-Teleskopmasten: Flexibel, leicht und vielseitig einsetzbar

Fiberglas-Teleskopmasten und Fiberglasruten sind in Längen bis zu zwölf Metern, sind sehr flexibel und absolute Leichtgewichte. Ihre seitliche Zugbelastbarkeit und vertikale Tragkraft sind leider begrenzt. In Gegenrichtung abgespannt, eignen sie sich allemal, um schnell mit einer Drahtantenne oder einer kleinen UKW-Antenne, HB9CV oder LogPeriodic in Leichtbauweise, QRV zu werden. Große Fiberglas-Teleskopmasten, mit bis zu 26 Metern Höhe, werden auch für stationäre, aufwändige Drahtantennen im 80- und 160-m-Band eingesetzt.

Spiderbeam

Gittermasten: Herausforderungen und Möglichkeiten

Ein frei stehender oder abgespannter Gittermast ist sicherlich das Nonplusultra für jeden Funkamateur. Die Verwirklichung ist jedoch ein kostspieliges und zeitaufwändiges Projekt. Ein Gittermast benötigt ein Betonfundament und braucht viele Mithelfer oder bezahlte Handwerker. Die hohen Lieferkosten lassen sich nur reduzieren, wenn man per LKW Selbstabholer ist. Oder er muss vor Ort aus vielen Einzelteilen selber montiert werden. Je nach Bundesland bleibt Ihnen eine Baugenehmigung nur bis zu einer Masthöhe von fünfzehn Metern erspart. Über 10 m reicht oft eine Standsicherheitsbescheinigung aus. Nur noch wenige Firmen bieten Gittermasten speziell für den Amateurfunk an.

Vielfältige Konstruktionen

Neben dem normalen Gittermast aus mehreren verschraubten Schüssen gibt es weitere konstruktionsbedingte Unterschiede. Der sogenannte Teletower arbeitet mit einem beweglichen Mastschlitten, mit dem die daran montierte Antenne manuell über eine Kurbel oder einen Elektromotor auf und ab gefahren wird. Kurbelmasten bestehen aus mehreren, ineinander geschachtelten Sektionen, die über einen Seilzug per Kurbel oder einen Elektroantrieb bewegt werden.

Komfort und Vielseitigkeit

Die Kombination der Systeme „Kippgelenk“ und „ausfahrbarer Gittermast“ zählt zur Familie der Kippmasten, dessen prominentester Vertreter unbestritten der Versatower ist. Besonders viel Komfort bieten pneumatisch betriebene Masten. Sie zählen konstruktiv bedingt ebenfalls zu den Teleskopmasten. Ein Kompressor erledigt per Luftdruck das Aus- und Einfahren der Elemente. Arbeiten an der Antenne, wie Abgleich oder Antennen-Experimente, sind damit ein „Kinderspiel mit Bodenhaftung“.

Rechtliche Aspekte, Genehmigungen und Vorschriften

Zu rechtlichen Fragen... es gelten je nach Bundesland unterschiedliche Bestimmungen. Ich kann hier keine Garantie auf Richtigkeit und Vollständigkeit geben; bitte informieren Sie sich vor dem Bau immer über aktuell geltenden Richtlinien und Gesetzeslagen! Ich habe versucht, das Wichtigste in absoluter Kurzform wiederzugeben und bis zu einer Gesamthöhe von zehn Metern ist ein Antennenmast bzw. eine Antennenanlage in den meisten Bundesländern genehmigungsfrei, bedarf also keiner Baugenehmigung durch die örtliche Gemeinde. Die Masthöhe zählt ab Mastfuß bis zur Antennenspitze. Sofern die Antennenanlage auf einem Hausdach errichtet wird, bleibt dabei die Gebäudehöhe unberücksichtigt. Bei einem Giebeldach ist nicht die Stelle entscheidend, an welcher der Rohrmast (Standrohr) durch die Dachhaut geführt wird. Bezugspunkt ist die Stelle, wo der Mastfuß aufsteht! Doch Vorsicht, auch Antennen unterhalb der Freigrenze von zehn Metern können in Widerspruch zu den öffentlich-rechtlichen Vorschriften, wie etwa Bebauungsplänen oder Baunutzungsordnungen stehen. An dieser Stelle ist die Rechtsprechung von Bundesland zu Bundesland recht unterschiedlich. Ratsam ist es auf jeden Fall, sich vorsichtig über die örtlich geltenden Vorschriften zu informieren, dabei aber auch nicht unbedingt „schlafende Hunde zu wecken“. Die größte Hürde ist wohl immer eine Antennengenehmigung durch den Vermieter bzw. in Steigerungsform durch eine Eigentümergemeinschaft. Man kann die Genehmigung entweder in den Mietvertrag mit einbeziehen oder einen eigenständigen Antennenvertrag aushandeln. Sollte für einen frei stehenden Gittermast über 10 m eine Baugenehmigung erforderlich sein, ist für den Antrag der Nachweis der Statik erforderlich. Das ist nur durch eine aufwändige Berechnung möglich und sollte einem Profi überlassen werden. Zu Antennenmasten aus kommerzieller Fertigung gehört der Nachweis der Statik sozusagen zum Lieferumfang.

Blitzschutz

Blitzschutz und Erdung: Wichtige Aspekte für die Sicherheit Ihrer Anlage

Ein häufig vernachlässigter Aspekt ist das Thema Blitzschutz und Erdung. Ein Blitzableiter hat nicht nur die Aufgabe, im Falle eines Blitzeinschlags diesen in „geordneten Bahnen“ gegen Erde abzuleiten, sondern das Eintreten dieses Ernstfalls schon im Vorfeld weitgehend zu verhindern.

Besitzt das Haus eine Blitzableiteranlage, so ist das Antennenstandrohr auf kürzestem Wege mit der übrigen Blitzableiteranlage zu verbinden. Wasserleitungen und Heizungsrohre sind zum Anschluss einer Blitzerdung tabu und nicht zulässig. Den einschlägigen Verordnungen und Normen entsprechende Blitzschutzanlagen sind teuer und aufwändig. Die Einrichtung eines einzelnen Tiefenerders durch einen Fachbetrieb, der gebohrt oder eingespült bis zum Grundwasser reicht, schlägt schnell mit einem „Tausender“ zu Buche. Für einen frei stehenden Metallmast ist der Blitzschutz über seinen Fundamenterder gewährleistet. Unter diesem Aspekt ist die Errichtung einer Hochantenne auf einem frei stehenden Antennenmast, in ausreichender Entfernung vom Haus, die bessere und sichere Lösung. Beachten Sie auch hier immer die aktuellen Bestimmungen!

Mit Erfolg ans Werk

Viel Erfolg beim Antennenbau! Hat Ihnen diese Übersicht geholfen? Wenn Sie jetzt einen passenden Antennenmast gefunden haben und Sie das Projekt in Angriff nehmen, beachten Sie bitte folgenden Hinweis: Bei Arbeiten auf besteigbaren Antennenmasten oder auf Dächern, sollten Sie sich auf jeden Fall die möglichen Gefahren vor Augen führen und die einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften beachten.

Quellennachweis:

Rothammel Antennenbuch, 13. Auflage 2014, DARC Verlag GmbH

März 28, 2024 | Alfred Klüß, DF2BC

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